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  • Ferit Yuhanna Tekbaş

Mitri Sirin: Ich mag dass in unserer Kultur Freunde schnell zur Familie dazugehören

Güncelleme tarihi: 22 Ağu 2023

Foto: Jennifer Fey

Mitri Sirin ist ein bekannter deutscher Fernseh- und Nachrichtenmoderator dessen familiäre Wurzeln in Samandag – Türkei liegen. Ferit Tekbas interviewte ihn zu seinem Werdegang, seinen Erinnerungen an die Heimat und zu seiner Familie.

Interview: Ferit Yuhanna Tekbaş

Hallo Mitri, wir möchten uns ganz herzlich für dieses Interview bedanken. Du bist ein bekannter Moderator und Nachrichtensprecher in Deutschland. Unsere Leser wollen bestimmt wissen, welche Stationen zu deiner erfolgreichen Karriere geführt haben. Wie hast du deine Leidenschaft für den Journalismus entdeckt und wie bist du zum Fernsehen gekommen?

Lieber Ferit, Vielen Dank für Euer Interesse. Ich bin über viele Umwege zum politischen Journalismus und letztlich zum Fernsehen gekommen. Anfang der 90er Jahre bin ich nach meinem Zivildienst (Ersatzdienst für Militärdienst) nach Berlin gegangen und habe mich bei einem Musiksender (Kiss FM) beworben. Schon immer war ich ein großer Musikfan und kannte mich zu diesem Zeitpunkt relativ gut aus mit Soul, Blues, Rap aber auch der damals noch neuartigen elektronischen Musik wie House oder Techno.

Das waren jedenfalls die Musikrichtungen, die wir bei Kiss FM gespielt haben. Relativ schnell bin ich zum Musikredakteur und Moderator aufgestiegen. Wir waren eine tolle Truppe damals ohne richtigen Chef, wir durften uns ohne Grenzen ausprobieren. Das war sehr gut für meine Entwicklung. Ich habe dann noch für 2-3 weitere Musiksender beim Radio gearbeitet. Zuletzt bei einem Radiosender 170 km entfernt von Berlin. Weil mir die Pendelei auf Dauer zu stressig wurde, suchte ich etwas anderes. Der rbb, ein 3. Programm der ARD, suchte damals einen Präsentator für einen Nachrichtenmagazin (rbb aktuell). Dort bliebe ich dann mehrere Jahre und arbeitete parallel auch in gleicher Funktion für den WDR.

Das ZDF hat mich dort entdeckt und lud mich 2009 zum Casting nach Mainz. Der Rest ist Geschichte.

Du bist seit kurzem Hauptabendmoderator des ZDF, einem der wichtigsten deutschen Sender. Es gab definitiv Hindernisse und Herausforderungen auf deinem Karriereweg, welcher war für dich am schwierigsten und hast du noch weitere berufliche Ziele die du verwirklichen möchtest?

Das ich heute einer der Hauptmoderatoren für die wichtigste Heute-Nachrichtensendung bin, kann ich manchmal selber nicht glauben. Es ist auch der Beweis dafür, dass Ausnahmen die Regeln bestätigen. Ich habe zwar Abitur, aber kein abgeschlossenes Hochschulstudium. Eigentlich ist das aber zwingend notwendig, wenn man beim ZDF arbeiten will. Aber man hat mein Talent erkannt und an mich geglaubt. Schließlich bin nach meinem Start 2009 relativ schnell zum ZDF- Morgenmagazin Moderator aufgestiegen. Eine der anspruchsvollsten Sendungen im deutschen Fernsehen, weil man zu frühester Uhrzeit schon hellwach sein muss, um den wichtigsten Politikern des Landes die richtigen Fragen zu stellen. Jetzt nach über 10 Jahren dort, wartet mit den 19 Uhr Heute-Nachrichten, eine der an am meisten eingeschalteten Sendungen (bis zu 5 Millionen Zuschauer pro Sendung) eine wichtige Aufgabe auf mich. Was noch kommt? Keine Ahnung ich lass mich überraschen.

Wir wissen, dass deine familiären Wurzeln in Samandag liegen. Kannst du uns einen kurzen Einblick gewähren und etwas zur Geschichte erzählen. Wie fing es an?

Ja meine Familie kommt aus Samandag. Die Familie meines Vaters ist die SIRIN Familie. Die meiner Mutter die ATIK Familie. Mein Vater kam Ende der 60er Jahre alleine nach Deutschland und meine Mutter kam dann glaube ich ein oder 2 Jahre später nach.

Wir sind dann immer in den Sommerferien für 6 Wochen dorthin gefahren. Ich kann mich noch sehr intensiv an die quälenden, 4tägigen Autofahrten über Österreich, Jugoslawien und Bulgarien erinnern. Und dann musste man ja noch 1000 KM durch die Türkei fahren bis man endlich in Samandag war.

Hast du noch viele Verwandte, die in Samandag oder Syrien leben?

Ja wir haben noch viele Verwandte in Samandag aber ich war schon sehr lange nicht mehr da. Meine Mutter hält mich auf dem Laufenden und hat regelmäßigen Kontakt zur Verwandtschaft.

Mitri, du bist in Deutschland geboren. Ich erinnere mich sehr gut, als ich ein Kind war, warst du im Urlaub in Samandag, obwohl ich älter war als du, hast du damals mit uns gespielt. Erinnerst du dich daran und was sind deine Eindrücke oder Erinnerungen an Samandağ und wann warst du das letzte Mal dort?

Das letzte Mal war ich 2005 in Samandag. Meine Oma Canet lebte damals noch und es war immer ihr größter Wunsch, dass meine Kinder orthodox getauft werden. So haben wir es damals gemacht. Meine beiden ältesten Kinder und die Kinder meines Onkels Can Atik wurden damals getauft. Wir haben anschließend ein tolles Fest in der Plantage gefeiert. Das halbe Dorf kam, es gab Lamm, Raki und Fistik und wir waren erst im Morgengrauen im Bett. An meine Kindheit dort erinnere mich leider nur bruchstückhaft. Es hat meistens mit meiner Oma zu tun, die mir immer alles gekocht hat was ich mir gewünscht habe.

Was magst du an unserer Kultur am meisten und kannst du Arabisch oder Türkisch?

Türkisch verstehe ich nur bruchstückhaft, im Arabischen läuft es besser. Das wurde ja damals zuhause und im Urlaub auch gesprochen. Aber auch da müsste und könnte ich viel besser werden. Ich mag, natürlich, dass Familie einen anderen Wert hat in unserer Kultur und dass auch Freunde schnell zur Familie dazugehören. Das Essen ist einmalig und die sehr gesellige Lebensweise, die teilweise auch mit Melodramatik und Sehnsucht behaftet ist . Ich glaube ihr nennt es ‘Hüzün’.

Du bist seit langem glücklich mit einer deutschen Frau verheiratet. Lernen auch deine Kinder teilweise unsere Kultur und Traditionen kennen und welche Lieblingsspeise hast du aus der Heimat deiner Eltern?

Meine Frau ist Deutsche und meine Kinder sind schon deutschsprachig aufgewachsen. Mein Arabisch empfinde ich als zu schlecht um es ernsthaft weitergeben zu können. Das liegt auch daran, dass meine Mutter großen Wert daraufgelegt hat, dass wir vernünftig Deutsch lernen. Meine ältere Schwester hat es richtig gemacht. Sie hat Arabistik studiert und kann heute sehr viel besser arabisch sprechen als ich. Und schreiben kann sie es auch im Gegensatz zu mir. Nun ich habe andere Talente.

Das Essen ist den Antakyaner wichtig. Was sind deine Lieblingsgerichte?

Mein Lieblingsessen ist Cig Köfte und Fassulja, die leckerste Bohnensuppe der Welt „natürlich zubereitet und gekocht von meiner Mutter.“

Wie du weißt, wurde das Nehna-Onlineportal gerade gestartet. Was würdest du uns als Journalisten raten oder weiterempfehlen?

Nun, ich glaube ihr seid mit Eurem Portal auf einem richtigen Weg. Wer heute erfolgreich sein will,- spezialisiert sich. Durch die Digitalisierung hat sich alles atomisiert. Für alle gibt es alles. Und wenn man sich auf eine Region und ihre Interessen und Neuigkeiten spezialisiert, dann wird das klappen solange man authentisch bleibt. Und das seid ihr ja. Ihr kommt von dort, ihr kennt die Gegend alle Leute, sogar mich.

Im Namen des Nehna – Onlineportals und seiner Leser danken wir dir für dieses Interview und wünschen dir weiterhin beruflich und privat viel Erfolg.

Vielen Dank für das Interview.


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